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Das sogenannte Heidentor von Petronell-Carnuntum ist das bekannteste römische Architekturmonument auf österreichischem Boden. Ursprünglich handelte es sich um einen monumentalen, vierpfeilerigen Durchgangsbau (einen sogenannten Quadrifrons oder ein Tetrapylon). Heute steht von der Ruine isoliert in der Landschaft nur noch das westliche Pfeilerpaar mit dem verbindenden Ziegelbogen aufrecht. In der Antike befand sich das Monument etwa 900 Meter südlich des zivilen Stadtmauerrings direkt an einer wichtigen Straßenkreuzung, welche die Limesstraße mit der Bernsteinstraße verband.
Die Grabungskampagne 1998–2001
Zwischen den Jahren 1998 und 2001 fand das bisher umfassendste interdisziplinäre Forschungs- und Restaurierungsprojekt statt, das vom Land Niederösterreich und dem Bund getragen wurde. Im Zuge dieser systematischen Ausgrabungen und der bauanalytischen Untersuchungen konnte die Entstehung und Funktion des Bauwerks auf einer völlig neuen, wesentlich breiteren Materialbasis untersucht werden. Dabei wurden nicht nur wichtige Erkenntnisse über die antike Bautechnik und die weitreichende Verwendung von älterem Baumaterial (Spolien) gewonnen, sondern auch der stratigrafische Kontext sowie das Fundmaterial exakt dokumentiert werden.
Chronologie und Datierung anhand der Münzfunde
Lange Zeit war die historische Einordnung des Monuments in der Forschung umstritten; ältere Theorien reichten von einem monumentalen Grabbau bis hin zu einem Denkmal anlässlich der Carnuntiner Kaiserkonferenz im Jahr 308 n. Chr. Erst die Auswertungen der jüngsten Grabungskampagne brachten die entscheidende Klärung:
Präzisierung durch Stratigrafie: Die im Zuge der Projektgrabungen dokumentierten Fundmünzen lieferten die entscheidenden numismatischen Hinweise für die Entstehungszeit der Anlage.
Datierung in die Spätantike: Die Auswertung des stratifizierten Münzmaterials erlaubt es heute, die Errichtung des Triumphalmonuments in die Regierungszeit von Kaiser Constantius II. (337–361 n. Chr.) zu datieren.
Der historische Anlass: Der Monumentalbau wird heute als spätantikes Triumphalmonument interpretiert, das Constantius II. nach der Beendigung seiner Feldzüge gegen die Sarmaten und Quaden um die Mitte des 4. Jahrhunderts errichten ließ. Es markiert somit eine der letzten großen repräsentativen Schöpfungen römischer Architektur in Carnuntum, bevor der Historiker Ammianus Marcellinus die Stadt im Jahr 375 n. Chr. als bereits teilweise „verlassen und ungepflegt“ beschrieb.
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